Vielfaltsblüten?

Redewendungen, geflügelte Worte, bildhafte Ausdrücke – sie gehören zu unserer Sprache wie die Faust zum Auge. Insbesondere sind sie fester Bestandteil von Erörterungen, Telefonkonferenzen, Unterredungen und Wortgefechten jeder Art. Ob wir mit dem Gebrauch nun unsere Redegewandtheit ausdrücken oder unsere literarische Bildung heraus stellen wollen, ob wir uns selbst oder den von uns geschilderten Tatsachen einfach nur mehr Bedeutung verleihen wollen oder ob wir mit passenden Bildern die Zuhörer schneller und einfacher von unserem Standpunkt überzeugen wollen – wir werden als Sprecher ständig in Versuchung geführt und als Zuhörer täglich damit konfrontiert.

Was aber passiert, wenn über den wirklichen Wortlaut einer Redewendung erst während des Sprechens nachgedacht wird, wenn vermeintlich bekannte und doch so fremde Sprachbilder miteinander vermischt und nebenbei neu erfunden werden, wenn wir in so großartigen Bildern sprechen, dass die Zuhörer vor Ehrfurcht verstummen? Nun, dann kommt es, wie es kommen muss: Aus dem Blumentopf werden Lorbeeren, die Sau wird nicht mehr durchs Dorf getrieben, sondern drum herum getragen und was man einst sicher in trockenen Tüchern hatte, steckt jetzt in ebensolchen Tüten. Und dann, ja, dann wird der eine oder die andere doch stutzig, kommt ins Grübeln und greift hoffentlich zum Stift und später zur Tastatur und dokumentiert das Gehörte in diesem Blog. Ein redefreudiger Kollege drückte dies einmal sehr treffend (wenn auch ungewollt) wie folgt aus und schuf damit unwissentlich den Titel für dieses Blog:

»Dann schlägt die Vielfalt wieder Blüten!«

Gemeint war, wenn jeder das tut, was er will (sein eigenes Süppchen kocht!), werden wir die angestrebten Ziele (auf einen gemeinsamen Nenner kommen) nicht erreichen. Dann nämlich schlägt die Vielfalt wieder Blüten.

Die Existenz dieses Blogs verdanken wir einer wachsenden Anzahl von achtsamen Zuhörern – und einer noch größeren von unbekümmerten Rednern. Es wurde innerhalb von nur fünf Jahren mit inzwischen weit über zweitausend spruchreifen Widersprüchlichkeiten gefüllt. Im Laufe der Zeit entstand dabei eine eigene (wenn auch sehr eigenwillige) Kategorisierung, was unter anderem damit zusammenhängt, dass bestimmte Wörter und Sprachbilder eine Zeitlang einer Art »Mode« im Gebrauch unterlagen.

Der Autor und seine Zulieferer verbürgen sich ausdrücklich dafür, dass sämtliche Einträge tatsächlich so gesprochen wurden. Untermauert wird diese Aussage unter anderem dadurch, dass neben dem Autor meist weitere Zulieferer des Blogs an der gleichen Veranstaltung oder Gesprächsrunde teilgenommen haben. Auch wenn die Verursacher in den meisten Fällen aus nachvollziehbaren Gründen nicht genannt werden, sind diese dem Autor und den Zulieferern wohl bekannt. Einträge zu Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, lassen sich sicherlich in den Archiven der jeweiligen Medien nachweisen.

Und nun viel Spaß: Lasst Blüten sprechen! Doch Vorsicht! „Da werden noch andere Lesarten eingebaut!“

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